Televism
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Vom Hochhaus zum Spieltag

Zweiter Teil des Dev-Blogs: Warum sich das Herzstück von MadTV nicht einfach in ein Browsergame kopieren lässt – und wie eine Anleihe bei hattrick.org daraus etwas macht, das über Monate trägt.

Die Idee: MadTV im Browser

Die Anfangsidee war einfach: Televism ist MadTV im Browser. Kleiner Gag am Rande: In meinem hölzernen Dokument hieß es damals noch VABSE (Video Audio Broadcasting Simulation Engine). Ja, das war eindeutig meine Zeit im Konzern :D

Ein Fernsehsender, die Zeit läuft in Echtzeit und dann macht man halt 24-Stunden-Programm anstatt 7, wie im Original. Man kauft Sendungen, setzt Spots, kämpft um die Quote.

Klingt naheliegend. Ist es aber nicht – und die erste große Herausforderung kam schnell.

Warum das Original das nicht trägt

MadTV lebt von der Hektik. Vom Durchs-Hochhaus-Rennen, vom Alles-noch-rechtzeitig-Erledigen. Von diesem guten Gefühl, wenn man mit dem Geld aus dem gerade gelaufenen Spot noch schnell eine neue Sendung kauft – und sie auf den letzten Drücker in den nächsten Block bekommt.

Dieser Puls macht einen wichtigen Teil des Spiels aus. Aber genau das funktioniert in einem langlaufenden Browsergame nicht.

Ein Browsergame spielt man nicht in einer atemlosen Stunde am Stück, sondern über Wochen und Monate hinweg – ein paar Minuten am Tag. Wer will schon rund um die Uhr am Bildschirm kleben, weil sonst der Spot ins Leere läuft? Man kann die Zeit weder beschleunigen noch einfach bis zum nächsten Spot vorspulen. Wie soll das in Echtzeit funktionieren?

Die Anleihe: hattrick.org

Die Lösung kam von einem der ersten Browsergames, die ich überhaupt gespielt habe: hattrick.org.

Bei Hattrick ist man Trainer einer Fußballmannschaft. Das Spiel ist in Spieltage getaktet: Jeden Samstag gibt es ein Match gegen eine andere Mannschaft aus der eigenen Liga. Zwischen den Samstagen plant man seinen Zug – Training, Aufstellung, Transfermarkt. Und das Schöne: Im Grunde kann man alle Entscheidungen für die Woche in einer Viertelstunde treffen. Der Rest passiert von selbst, wenn der Spieltag kommt.

Mir war ein Spieltag pro Woche zu wenig. Aber warum sollte ein Spieltag nur samstags stattfinden? Und warum sollten nur Fußballspieler gegeneinander antreten – warum nicht Fernsehsendungen?

Die Idee lässt sich übertragen: An einem Tag plane ich mein Fernsehprogramm. Am nächsten kann ich live verfolgen, wie es ankommt, und gleichzeitig schon den folgenden Tag vorbereiten.

Best of both worlds

Für Televism heißt das: Plane deinen Sendetag klug bis zum Redaktionsschluss. Denn wenn die Fernsehzeitung für morgen erst einmal gedruckt ist, steht das Programm für den morgigen Spieltag fest.

Mit dem Spieltag-Prinzip kam gleich noch etwas Zweites aus Hattrick mit: das Ligasystem. Spieler treten gegeneinander an – aber in überschaubaren Gruppen, nicht alle gegen alle. Nur so bleibt das Spiel kontrollierbar, wenn irgendwann Dutzende, Hunderte oder – wenn es richtig gut läuft – Tausende Spieler mitmachen.

So kann ich am Ende zwei Welten miteinander verbinden:

  • MadTV liefert das Thema, das Feeling und die Fernsehökonomie aus Sendungen, Spots und Quote.

  • Hattrick liefert den Takt und die Struktur – Spieltag und Liga –, die aus einer hektischen Stunde ein Spiel machen, das über Monate trägt.

Und dann ist da dieses gute Gefühl, wenn man zwei Puzzleteile verbindet, von denen man vorher nicht dachte, dass sie überhaupt zusammengehören könnten.